Presseschau

Minderheiten

Verschleierter Vorstoß

Die Debatte in Frankreich um »nationale Identität«
von Joséphine Glenz am 23. Februar 2010

Die Diskussion in Frankreich um die Burka, angestoßen von einem Vorschlag eines Verbotes durch den französichen Präsidenten, sei zu einer fremdenfeindlichen und rechtsextremen Debatte  um die »französische Identität« geworden, meint Ellen Ehni vom Pariser ARD-Studio im Weltspiegel. Es handele sich wohl um ein Wahlkampfmanöver des Präsidenten, um von den wirtschaftlichen Problemen vor den Regionalwahlen abzulenken. Die Debatte sei insofern absurd, als daß die Zahl der Burka-Trägerinnen verschwindend gering sei.

Eine sehr alte Minderheit

Koptische Christen in Ägypten fühlen sich an den Rand gedrängt
von Joséphine Glenz am 19. Februar 2010
St. Markos-Kirche in Kairo Foto von Bakar_88

Nach dem Anschlag auf koptische Christen im oberägytischen Naga Hamadi werde deren zunehmend isolierte Position in der Gesellschaft deutlich, so Karim El-Gawhary in der taz. Durch die Rückkehr von Gastarbeitern aus dem wahhabitischen Saudi-Arabien sei der Islam in dem Land intoleranter geworden. Dies spüre die große christliche Minderheit auch im Alltag. Kritische Anwälte und Blogger geraten unter Druck, wenn sie das Thema in der Öffentlichkeit als gesamtgesellschaftliches Problem darstellen. Der Blogger Wael Abbas wurde mitsamt einer Delegation aus Kairo verhaftet, als er den Ort des Anschlags besuchen wollte. Der Staat versuche das Problem an den Rand zu drängen.

Warten hinter Stacheldraht

Sri Lanka nach dem Bürgerkrieg
von Axel Weipert am 4. Februar 2010
Provisorische FlüchtlingsunterkunftFoto von trokilinochchi, Flickr

Seit dem Ende des Bürgerkrieges vor einem knappen Jahr sind noch immer tausende Tamilen in Flüchtlingslagern interniert. Zwar verspricht die Regierung ihre Rückkehr, doch viele kommen nicht mehr in ihre alten Orte. Stattdessen sollen sie in sog. »Wohlfahrtsdörfern« angesiedelt werden - direkt kontrolliert von Armeeeinheiten. Auch mit Hilfe der Religion wollen die Singhalesen ihren Sieg festigen. Mittlerweile gibt es schon erste Anzeichen für eine Neuformierung der tamilischen Rebellen von der LTTE.

Städte ohne Zentrum

Die Autostadt Detroit als Indikator der amerikanischen Entwicklung
von Martin Atzler am 18. Januar 2010
Detroit: Amerikas RostgürtelFoto von Bob Jagendorf

In den USA lassen sich die Grenzen zwischen Klassen und Stadtbezirken immer noch an der Hautfarbe ablesen. Hanni Hüsch berichtet für den ARD Weltspiegel aus Philadelphia, Mississippi, wo der erste schwarze Bürgermeister in der früheren Hochburg des Ku-Klux-Klans die Amtsgeschäfte leitet. Weit weniger optimistisch ist eine umfangreiche Reportage von Allan Popelard und Paul Vannier in der Le Monde diplomatique über den Niedergang Detroits. In der einstigen Boomtown der amerikanischen Autoindustrie sind die reichen Bewohner längst in die Vororte gezogen und bezahlen dort ihre Steuern. Die eigentliche Stadt Detroit verödet zunehmend und besitzt die Sozialstatistik eines Schwellenlandes.

Das Recht zu Atmen

Ein Schwerpunkt der Bundeszentrale für politsche Bildung zu Menschenrechten
von Caspar Bildner am 26. November 2009

Langsames Tauwetter

Die neue Politik der Türkei gegenüber den Kurden
von Caspar Bildner am 21. November 2009

Das türkische Parlament beschäftigt sich als Teil der Öffnungsiniative des Ministerpräsidenen Recep Tayyip Erdogan mit der türkischen Kurdenpolitik. Deutschlandfunk Hintergrund berichtet aus der Türkei und stellt die Frage nach der Rolle der Landes in der Region.

Aber doch nicht in der Öffentlichkeit

Stefan Niggemeyer schreibt gegen eine leicht verkleidete homophobe Polemik
von Ilari Henry am 20. Oktober 2009
Christopher Street Day 2009 in BerlinFoto von easy-berlin

Philipp Gut schreibt in der Weltwoche und in der Welt eine Polemik gegen Homosexualität in der Öffentlichkeit, die zu »Weltanschauung und politisches Programm geworden« und um die »ein irritierender Kult um die Schwulen entstanden« sei. Erschreckend an seiner Schrift erscheint in erster Linie, daß er Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung als eine homogene Gruppe darstellt, die durch »Pressure-Groups« die Öffentlichkeit dominiere und unterwandere. Stefan Niggemeier setzt auf seinem Blog dem eine engangierte Streitschrift entgegen, indem er Phillip Gut als »besonders heuchlerischer Schwulengegner« outet und über die Weltwoche urteilt: Weiterlesen …

Alte Ressentiments leben auf

Die Roma in Europa werden immer stärker stigmatisiert
von Caspar Bildner am 17. September 2009
Romajunge im Kosovo <br>© Magne Haagen / Flickr
Romajunge im Kosovo
© Magne Haagen / Flickr

Die taz hat einem Thema seinen Schwerpunkt gewidmet, das vielen Ländern Europas in Ost und West gemein ist: Ressentiments und Hass auf Roma und Sinti. In Italien gibt es agressive Proteste gegen Camps, Deutschland möchte gern alle Roma aus dem Kosovo abschieben, wo Roma in Mitrovica unter erbärmlichen Bedingungen leben müssen, während es in Ländern wir Rumänien aufgrund der Ressentiment fast unmöglich ist, einen Arbeitsplatz zu bekommen. Der Schwerpunkt der Romabevölkerung findet sich in Südosteuropa, wo die Ressentiments von breiten Teilen der Bevölkerung getragen werden. Die UN-Hochkommisarin für Menschenrechte versuchte mit einer Rede auf die Probleme aufmerksam zu machen.