Presseschau

Kultur

Entweder Religion oder Moral?

Margot Käßmann und der »Klerikalismus«
von Marcell Hübner am 4. März 2010
Margot Käßmann 2009Foto von evangelisch.de

Der sich gelegentlich in der Presse zu Wort meldende Theologe Friedrich Graf kommentiert in der Neuen Zürcher Zeitung den nach nur vier Monaten erfolgten Abgang der »entschieden modernen« Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, vom Amt.

Ihre mediale Dauerpräsenz habe sich die Bischöfin - so dieser Autor - durch die zeitgemäße Vermischung von Amt und Privatem erkauft. Mehr noch, sie habe auch vor dem Hintergrund der protestantischen Kultur der letzten 200 Jahre als Vertreterin eines quasi reaktionären »Moralprotestantismus« gewirkt. Weiterlesen …

Eine neue Sprache

Elias Canettis Buch Masse und Macht
von Ilari Henry am 24. Februar 2010

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Hannah Arendt als eine der ersten Wissenschaftlerinnen einen nicht unumstrittenen Deutungsversuch des entgrenzten Verhaltens des Menschen in der Masse unternommen. Der Schriftsteller Elias Canetti entwarf dagegen mit dem Buch »Masse und Macht« ein eher poetisches Konzept eines Blickes von innen auf das unberechenbare Verhalten moderner Gesellschaften. Dafür erfand er  ein eigenes Vokabular, welches die Eigendynamik und die Bedeutung der Masse veranschaulicht. Die Sendung Essay und Diskurs des Deutschlandfunks hat einen Deutungsversuch unternommen.

Verschleierter Vorstoß

Die Debatte in Frankreich um »nationale Identität«
von Joséphine Glenz am 23. Februar 2010

Die Diskussion in Frankreich um die Burka, angestoßen von einem Vorschlag eines Verbotes durch den französichen Präsidenten, sei zu einer fremdenfeindlichen und rechtsextremen Debatte  um die »französische Identität« geworden, meint Ellen Ehni vom Pariser ARD-Studio im Weltspiegel. Es handele sich wohl um ein Wahlkampfmanöver des Präsidenten, um von den wirtschaftlichen Problemen vor den Regionalwahlen abzulenken. Die Debatte sei insofern absurd, als daß die Zahl der Burka-Trägerinnen verschwindend gering sei.

Sport ist Mord am Wort

Eine neue Webseite und Sportler zum Weglaufen
von Martin Atzler am 22. Februar 2010

Im Zeitalter des allmähligen Medienwandels schießen neue Webseiten, Blogs und Projekte wie Pilze aus dem Boden. Ein interessantes neues Portal, schön und durchdacht gestaltet, ist Magda, das »Magazin der Autoren«. Dort widmet sich Michael Schophaus unterhaltsam dem ewigen Widerspruch zwischen Sportlern und der korrekten Reihenfolge von Denken und Reden.

Film ohne historisches Gewissen

Oskar Roehlers Film »Jud Süß – Film ohne Gewissen« als eine weitere Episode der Vergangenheitsüberwältigung im deutschen Kino
von Jan Rolletschek am 22. Februar 2010

Der Tagesspiegel kritisiert den laxen Umgang mit »geschichtlichen Tatsachen« in Oskar Roehlers Film »Jud Süß – Film ohne Gewissen«, der am vergangenen Donnerstag auf der Berlinale uraufgeführt wurde. Weiterlesen …

Zwischen Raab und Stauffenberg

Politischer Humor im TV
von Axel Weipert am 21. Februar 2010

Jesko Friedrich ist einer der Macher von Extra3, der vielleicht besten Satiresendung im deutschen Fernsehen. Gerade angesichts der Verflachung als Comedy einerseits und zunehmender Grenzüberschreitungen andererseits hat er sich nun mit der Frage auseinandergesetzt: Was darf Satire?

Herausgekommen ist ein erstaunlich reflektierter Text, der auch anhand zahlreicher Beispiele erläutert, was akzeptabel ist - und was nicht. Gleichzeitig geht der Autor darauf ein, wie und wozu Satire wirkt.

In den Wirren der 30er Jahre

Über die Kriegsfotografin Gerda Taro
von Joséphine Glenz am 13. Februar 2010
Gerda Taro 1937 in SpanienFoto von Doctor Noe, Flickr

Der Fotografie-Blog fokussiert.com schaut auf das Leben von Gerda Taro, einer »Pionierin der Kriegsfotografie«, anlässlich einer Ausstellung im Kunstmuseum ihrer Heimatstadt Stuttgart. Nach ihrer Flucht vor den Nazis nach Paris hatte sie eine Beziehung mit dem späteren Magnum-Fotografen Robert Capa. Sie dokumentierten den spanischen Bürgerkrieg — Taro starb dort bei einem Unfall beim Rückzug der republikanischen Truppen.

Bulle und Bär

Rap-Battle zwischen John Maynard Keynes und Friedrich August von Hayek
von Caspar Bildner am 13. Februar 2010

Der Blog Think Tank Directory präsentiert auf seiner Webseite ein auf YouTube veröffentlichtes Video, in dem sich die beiden Ökonomen John Maynard Keynes und Friedrich August von Hayek eine musikalische Wortschlacht liefern.

Fehlgeschlagene Medienkampagne?

Zur Kontroverse um Margot Käßmanns Neujahrspredigt
von Joséphine Glenz am 11. Februar 2010

Die Neujahrspredigt der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland Margot Käßmann, in der sie sich unter anderem kritisch zum deutschen Engagement in Afghanistan äußerte, hat für Kontroversen gesorgt. Albrecht von der Lucke erkennt in dem heftigen Widerspruch gegen die Predigt eine moderne Medienkampagne, ausgehend vom Springer-Verlag. Konservative Kreise fürchteten sich vor einer sozial engagierten Kirchenchefin und wollten ihr »umgehend den Schneid abkaufen«. Dieser Versuch sei nach hinten losgegangen und habe im Gegenteil Zuspruch und Aufmerksamkeit in breiten Teilen der Bevölkerung für Käßmanns Anliegen erzeugt.

Spirituelle Hilfe für Haiti

Wie Scientology Katastrophen zu seinen Zwecken nutzt
von Christoph Muck am 5. Februar 2010

Nach dem schweren Erdbeben in Haiti hat die Sekte Scientology mittlerweile ihre gelben Zelte in der Hauptstadt aufgeschlagen.  Wie bei allen größeren Katastrophen in den letzten Jahren wird auch in diesem Fall die „Casualty-Contact“-Strategie angewendet, um mediale Öffentlichkeit und neue Anhänger zu generieren. Dieses Vorgehen, so schon durch den Gründer L. Ron Hubbard formuliert, macht im Neusprech der Sekte aus einer Tragödie eine »Tragitunity«. Der Artikel im Freitag zeigt neben dieser Strategie ebenso die sogenannten Heilungsmethoden der selbsternannten Mediziner auf, die im Katastrophenfall versuchen Psychologen vom Ort des Geschehens zu verdrängen.