Presseschau

Philosophie

Eine neue Sprache

Elias Canettis Buch Masse und Macht
von Ilari Henry am 24. Februar 2010

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Hannah Arendt als eine der ersten Wissenschaftlerinnen einen nicht unumstrittenen Deutungsversuch des entgrenzten Verhaltens des Menschen in der Masse unternommen. Der Schriftsteller Elias Canetti entwarf dagegen mit dem Buch »Masse und Macht« ein eher poetisches Konzept eines Blickes von innen auf das unberechenbare Verhalten moderner Gesellschaften. Dafür erfand er  ein eigenes Vokabular, welches die Eigendynamik und die Bedeutung der Masse veranschaulicht. Die Sendung Essay und Diskurs des Deutschlandfunks hat einen Deutungsversuch unternommen.

Eine Abreibung für den Bildungsprotest

Abgesang oder Abhärtung?
von Jan Rolletschek am 11. Januar 2010
Besetztes Audimax auf der Sesamstraße. Magnus Klaue auf dem Podium (mittig in orange).Foto von mwboeckmann, Flickr.

In einem hübsch gedrechselten Dossier ruft Magnus Klaue zur »anstehende[n] Erledigung« der »selbsternannten« Bildungsstreik-Bewegung auf. Dabei meint er's hart aber herzlich, will dem vermeintlich schläfrigen Haufen der Bildungsprotestler mit der kalten Dusche der Kritik aufhelfen und ihm zugleich das theoretische Fundament unterschieben. Denn was ginge tiefer, als Reflexionen über

die somatischen, gleichsam organischen Implikationen des Bildungsbegriffs und (…) dessen wahrhaft materialistische Grundlage, seinen 'Triebgrund'.

Bei soviel wohlwollender Nachhilfe im 1x1 materialistischer Kritik, fällt es nicht schwer, über kleinere Schnitzer hinwegzusehen. Oder sollte die »Warenform« heute tatsächlich immer noch ein unablässiges Kriterium aller »autonomen geistigen Gebilde« sein?

Darwin, kein Gott und der Mensch

Eine philosophische Betrachtung
von Axel Weipert am 9. Januar 2010

Glaubt man einem Darwinisten wie Daniel Dennett, bestehen zwischen den Ansichten der Biologie und der Geisteswissenschaften über die Stellung des Menschen in der Evolution gar keine unüberbrückbaren Hürden. Denn dann ist die Kultur zwar weiterhin ein exklusives Kennzeichen des reflektierenden und mitteilenden Akteurs, aber deshalb trotzdem in evolutionäre Prozesse integrierbar: Jeder Organismus hat Intentionen, wenn auch nicht notwendig Gründe. Und die sog. Meme wären ein plausibles Modell, wie auch in der Kultur evolutionäre Gesetzmäßigkeiten wirken. Ein interessanter Beitrag von Rudolf Maresch.

Abbruch der Würdenträger

Der Philosoph Peter Sloterdijk setzt sich in die Nesseln
von Ilari Henry am 28. Oktober 2009

Der Philosoph Peter Sloterdijk schreibt als Kolumnist des konservativen Potsdamer Hochglanzblattes Cicero eine Brandrede für einen »Aufbruch der Leistungsträger«. Diese führte zu einer scharfen Replik des Philosphen Axel Honneth in der Zeit, die wiederum Jürgen Kaube in der Franfurter Allgemeinen Zeitung kommentierte. Das bisher letzte Wort hatte der Journalist Rudolf Walther in der taz, der Sloterdijks Schrift amüsant und bissig zerlegt.

Gehirn und Geist II

Zu Geert Keils Theorie des freien Willens
von Carmen Tregge am 3. September 2009

Geert Keil ist Professor für Philosophie in Aachen und er vertritt die zur Zeit wohl muskulierteste Theorie des freien Willens. Anders als viele philosophische Zeitgenossen ist Keil kein Kompatibilist, d.h. er glaubt nicht, dass freier Wille und Determinismus vereinbar sind. Es ist aber nicht der freie Wille den er verabschiedet, sondern er hält den Determinismus für falsch (was ihn, wie Keil gerne anmerkt, mit den meisten Physikern eint). Weiterlesen …

Gehirn und Geist

Ein Gespräch mit Manfred Frank
von Carmen Tregge am 3. September 2009

Über die Willensfreiheit wird viel gestritten. Im Feuilleton und - seltener - in der Fachpresse wird er regelmäßig abgeschafft. Die Begründung: Die Welt ist naturgesetzlich determiniert und daher ist in ihr kein Platz für den metaphysischen "freien" Willen. Der Philosoph Manfred Frank vertritt in diesem Interview mit Thomas Assheuer und Ulrich Schnabel einen Standpunkt, der in der Fachliteratur "Kompatibilismus" genannt wird. Gemeint ist eine philosophische Position die behauptet, dass die Theorien der Determination und des freien Willens vereinbar sind.   

Der Islamismus und Europa

Eine Bemerkung zum Verhältnis von Islamismus und europäischem Denken
von Carmen Tregge am 14. Juli 2009

Olivier Roy stellt in seinem Zeit-Beitrag eine interessante These auf: »Der terroristische Islamismus ist keine traditionelle, sondern eine höchst moderne Glaubensrichtung. Sie wurzelt in Europa.«

Sehnsucht nach Aufklärung

Philosophie und Forschung in der islamischen Welt
von Carmen Tregge am 8. Mai 2009

Einst kamen die größten Denker aus Arabien. Heute vernachlässigt die islamische Welt die Wissenschaft. Einigen Ländern fehlt das Geld, in anderen kämpfen Fundamentalisten gegen die Forschungsfreiheit.

Open letter to Pope Benedict XVI

In the Name of God, the Compassionate, the Merciful
von Carmen Tregge am 15. April 2009

Der Fortschritt nährt sich manchmal auch von Missverständnissen. In einem Offenen Brief setzen sich 38 theologische Kapazitäten aus der gesamten islamischen Welt intensiv mit der Regensburger Vorlesung des Papstes und deren politischen Folgen auseinander.Sie verurteilen den Mord an der katholischen Nonne in Somalia “und alle anderen gewaltsamen Akte, die ‘in Reaktion’ auf Ihre Rede an der Regensburger Universität geschehen sind, als vollständig un-islamisch”.

Glaube, Vernunft und Universität.

Erinnerungen und Reflexionen. - von Papst Benedikt XVI
von Carmen Tregge am 14. April 2009

Die neue, kommentierte Version der Regensburger Vorlesung, die im September 2006 so heftige Reaktionen in der muslimischen Welt ausgelöst hatte.