Presseschau

Medien

Gezwitscher auf dem Lerchenberg

Einblick in die Einflußnahme der Politik auf öffentlich-rechtliche Sender
von Caspar Bildner am 11. März 2010
ZDF-Sitz im Mainzer Stadtteil LerchenbergFoto von stejan

Der Spiegel interviewte Nicolas Brender nach seiner Absetzung als Chefredakteur des ZDF. Dieser beklagt sich bitter über ein »Spitzelsystem«, das Politikern Interna des Senders liefere. Er habe die direkte Einflußnahme der Politik auf die Berichterstattung abgestellt. Unabhängiger Journalismus beim ZDF sei möglich, müsse aber erkämpft werden. Das Interview war aufgrund des Stasivergleichs nicht unumstritten. Die Grünen erwägen wegen der politischen Einflußnahme auf die öffentlich-rechtlichen eine Klage vorm Bundesverfassungsgericht, die aber nicht von allen Parteien unterstützt werde. Neben der CDU zeige auch die SPD eine doppelzüngige Politik, wenn sie Brenders Absetzung kritisiere, aber mit dem System der Einflußnahme in den Rundfunkräten nicht grundsätzlich brechen wolle, so der Stern.

Einblick in die Netzkultur

Interviews mit Machern bekannter Blogs
von Martin Atzler am 17. Februar 2010

Ein interessantes und recht junges Webmedium für Filmbeiträge ist dctp.tv. Ein besonderes Highlight dieser Seite ist die Interviewreihe Meinungsmacher, in welcher recht bekannte Gesichter der Netzkultur zu ihren  Erfahrungen mit den neuen Medien in der alltäglichen Arbeit befragt wurden. Dazu zählt ein breites Spektrum von Johnny Häusler von spreeblick.com zu Markus Beckedahl von netzpolitik.org sowie Anne Roth von annalist.noblogs.org.

Gabor entscheidet

Wechsel an der Spitze des Handelsblattes
von Caspar Bildner am 13. Februar 2010
Sitz des Handelsblattes in DüsseldorfFoto von hAdamsky

Gabor Steingart, bisher USA-Korrespondent des Spiegel wird neuer Chefredakteur des Handelsblattes. Steingart, unter Stefan Aust einer der einflussreichsten Politikredakteure des Spiegel, konnte sich bei der Wahl zum Chefredakteur als Aust-Nachfolger bei der Spiegel-Mitarbeiter KG nicht durchsetzen. Laut taz war er unter anderem aufgrund seiner neoliberalen Positionen umstritten. Konflikte mit der Redaktion des Handelsblattes, das in den vergangenen Jahren einen Auflagenschwund hinnehmen mußte, seien vorprogrammiert.

Auf der Wolke 2

Ein Essay über Cloud Computing und die Zukunft der digitalen Kultur
von Caspar Bildner am 8. Februar 2010
Schwere Bewölkung am digitalen HimmelFoto von Digital:Slurp, Flickr

Charles Leadbeater überblickt in einem aus dem Englischen übersetzten Essay in der Süddeutschen Zeitung die nächste digitale Revolution: Das Cloud Computing soll Programme und Daten auf Server lagern, die dann von beliebigen Geräten abgerufen werden können. Leadbeater benutzt dabei eine sehr weite Definition, die soziale Netzwerke und Dienstleistungen wie Flickr und Twitter mit einbezieht. Er betont darin die Auseinandersetzungen und Machtkämpfe über die Nutzung der Informationsfreiheit in den westlichen Gesellschaften:

In der Tat ruft diese neue Kraft, auf Kommunikation beruhend und garantiert durch Formen kollektiver Kooperation in bürgerlichen Gesellschaften, bereits jetzt heftige Kämpfe hervor. Regierungen und Unternehmen versuchen den Bürgern die Kontrolle über die Cloud zu entziehen. Weiterlesen …

Krise und Perspektiven

Über die Krise der traditionellen Medien und die Suche nach neuen Geschäftsmodellen
von Joséphine Glenz am 25. Januar 2010
Foto von Florian Pusch, Flickr

Der Deutschlandfunk berichtet über die Zeitungskrise in den USA und Deutschland und die Folgen für die Qualität der Medien. Medienwissenschaftler kritisieren den Kostendruck der Verleger, welche die Rendite  auf dem Rücken der Journalisten in die Höhe treiben. Zudem widerspreche das Internet dem gewohnten Geschäftsmodell, in dem Information im Paket verkauft werde, sodass mehr und mehr Verlage zu kostenpflichtigen Angeboten im Netz übergehen, obwohl die alten Modelle nicht einseitig übertragbar seien. Stiftungsmodelle oder das direkte Bezahlen für eine Reportage wie bei dem amerikanischen Portal spot.us können sich die Verleger bis jetzt jedoch nicht vorstellen.

Die Tricks der Public Relation

NDR Zapp über Manipulation der Öffentlichkeit.
von Caspar Bildner am 24. Januar 2010

Das NDR-Magazin berichtete über die Tricks der PR-Branche. Insbesondere werden die verdeckten Methoden thematisiert – wie bei den hessischen Wahlen, wo eine PR-Agentur im Auftrag eines CDU-Mitglieds eine Bürgeritiative simuliert und die Medien manipuliert.

Auf den Spuren einer Bewegung

Eine Radiosendung über die Datenschutz-Bewegung
von Joséphine Glenz am 23. Dezember 2009

Auf netzpolitik.org findet sich eine leicht satirische Sendung des Zündfunk, welche einen Rundblick auf die Landschaft der Bewegung um digitale Rechte und Datenschutz bietet.

Ungewisse Zunkunft

Perspektiven auf den Wandel der klassichen Medien
von Caspar Bildner am 22. Dezember 2009

Die Jungle World betrachtet die komplexe Entwicklung der »Zukunft der Zeitung zwischen Papier und Pixel« in einem Themenschwerpunkt. Ivo Bozic schreibt über die seltsamer Blüten der Netzära in Form von sinnlosen Klickstrecken. Die eigentliche Finanzierung des qualitativen Jornalismus stamme jedoch nach wie vor aus den klassischen Medien. Bernd Volkert gibt die Entwicklung und Debatte in den USA wieder, Daniel Steinmaier interviewt Robin Meyer-Lucht vom Online-Medium Carta über eine Perspektive, ob sich der Netzjournalismus eine Tages rentieren wird. Felix Schwenzel untersucht bereits unternommene Versuche für neue Bezahlvarianten wie Micropayment und woran sie bisher scheiterten.

Kein Vertrauen in Qualität

Ist die »Zeitungskrise« hausgemacht?
von Caspar Bildner am 16. Dezember 2009
Redaktion der Frankfurter RundschauFoto von 7an, Flickr

Der Umbruch in der Medienlandschaft ist in aller Munde - von »Zeitungskrise« und »Zeitungssterben« ist die Rede. Anita Blasberg und Götz Hamann haben sich in Deutschland von der Provinz in Mecklenburg-Vorpommern bis zu den großen Verlagen und Zeitungen umgesehen. Nicht jedoch das Internet als Medium, sondern steigende Renditeerwartungen und Kostendruck zeichnen sie für die Lage veantwortlich: 

Ein unsichtbares Band ist gerissen, in Anklam, Stuttgart, München. Die deutschen Verleger hatten es über Jahrzehnte verstanden, Unternehmer zu sein und gleichzeitig gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Weiterlesen …

Kriminalisierter Fortschritt

Eigentum vs. Freiheit im Internet
von Axel Weipert am 10. Dezember 2009
Foto von Max Braun, Flickr

Der Chaos Computer Club plädiert für einen betont liberalen Umgang mit Inhalten im Netz. Dabei gehe es nicht nur um die demokratische Dezentralisierung von Verteilungsmechanismen, sondern auch darum, ob die großen Medienkonzerne heute überhaupt noch notwendig sind. Zur Zeit beherrscht deren Sichtweise allerdings - auch dank der von ihnen geprägten Begrifflichkeiten - den öffentlichen Diskurs in erheblichem Maße.

Die gesellschaftliche Debatte wird sich (…) in Zukunft an den Bedürfnissen der Nutzer orientieren, nicht an den Gewinninteressen einer überkommenen Industrie, die mittlerweile die kulturelle Entwicklung mehr bremst als fördert.